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Hommage an J. Rösel von Rosenhof (zu seinem 300. Geburtstag) Mich hat der eigenwillige Nürnberger Miniaturmaler immer fasziniert, der mit dreiundzwanzig Jahren das Angebot ausschlug, des Dänischen Königs Hofmaler zu werden und stattdessen eine ungewöhnlichere Idee realisierte: Ein in Buchform vorliegendes Werk, das Weltgeltung erreichte. Die Rede ist von Johann Rösel von Rosenhof (1705 - 1759) und seiner >INSECTENBELUSTIGUNG<, die er abschloss, als er fünfzig wurde. 1755, nach mehr als fünfunzwanzig- jähriger Feinarbeit, hatte er erfolgreich das Ziel erreicht, das ihm ein Zufall in die Hand gespielt hatte. Damals schrieb er zu seinen Insektenbildern, sein Ziel sei: " ... die Einfalt (zu)überführen ..., daß sich auch in solchen Creaturen ein Finger der Allmacht zeige; und daß es eine dumme und gotteslästerliche Meinung seye, zu glauben, die dem Ansehen nach schädlichen Creaturen und Insecte, könnten ihren Ursprung nicht von einem gütigen Schöpffer haben..." Er schaffte es tatsächlich, dass damals als Ungeziefer angesehene Tierarten, auf Bütten gedruckt und in Leder gebunden, in die Heime des Adels und des gehobenen Bürgertums Einzug hielten, was zwar auf Argwohn der Hausherrinnen und Putzmägde stieß, aber ein so ergiebiges Betätigungsfeld für deren sinnierfreudige Herren eröffnete, dass sich mit der Zeit aus deren Sammel- und Ordnungsproblemen eine Hobby-Entomologie, und daraus eine der Grundlagen der modernen Biologie entwickeln konnte. Sieht man sich allerdings heute nach den Früchten von Rösels Arbeit im Alltag um (nicht den Büchern selbst, die zu den gesuchtesten Raritäten der Natural-Antiquariate gehören), so hat sich eigentlich nichts bewegt. Zu stark ist wohl die angeborene Aversion unserer Steinzeit-Natur gegen „gefährliches" Getier. Und es verspürt die Mehrheit der Menschen nach wie vor eher Lust, Insekten zu zertreten, als sie anzustaunen. Ich bedaure das sehr und versuche seit etwa zwanzig Jahren mit Bildern, Objektkästen, CD-Roms und Büchern für diesen Teil der Schöpfung zu werben. Und eine Frage stellt sich mir dabei dauernd neu: Wie bringt man jemand dazu, Interesse zu entwickeln für etwas, was er gar nicht kennen will? Wozu soll er überhaupt kennenlernen wollen, was fast alle spontan verabscheuen? Und so wandle ich 2005, aus gegebenem Anlass und weil es Rösel mit den Mitteln seiner Zeit ja hinbekam , mit Verlaub und gebührendem Respekt, auf seinen Spuren, in der Hoffnung dass etliche Menschen (vor allem die jüngeren) auch heute Formenvielfalt, Schönheit und Anregungspotential der Insektenwelt kennenlernen wollten, würde vielleicht eine neuartige >Belustigung< ihnen den ersten Schritt aus dem Käfig der Aversion erleichtern. Meine Mittelwahl in dieser Hommage ist die Vermenschlichung, das hintersinnige Ein- schmuggeln alltäglicher Elemente in den Körperbau von Insekten, die von Natur aus ein ungemein reichhaltiges Assoziationsangebot hierfür bereithalten (wie etwa die „Augen" auf Falterflügeln). Die Rösel-Hommage konzentriert sich somit auf eine besondere Seite der auf den ersten Blick strengen Befremdlichkeit der Insekten, die sich bei längerem Hinsehen in lohnenswerte Bereicherung wandeln kann. Und es wäre ganz an der Zeit, das Befremdliche auf neue Weisen ins Auge zu fassen. Heute weiß jeder, wie bedrohlich ein Festhalten an gedankenlosem Fortschritt ist, bei dem uns die Artenvielfalt der Erde einen Dreck interessiert. Und Augenmaß zu erwerben für die unglaub- liche Diversion der „befremdlichsten" Lebensform, die der Globus zu bieten hat, könnte eine nicht üble Übung sein, letztlich eine >Stirn< zu entwickeln gegen die heute alle Kulturen infizierende Denkweise nutznießerischen Sortierens, der der „Unkraut"-Terminus genauso selbstverständlich entsprang, wie sie immer schon ein Nachdenken über „unwertes Leben" forciert hat - und längst auch dem Begriff "Individuum" mit der Normzwinge zu Leibe zu rücken versucht. Richtig angesehen, bieten die 14 hier gezeigten Tafeln einen hoffentlich unterhaltsamen Einstieg in diese Art des Betrachtens von Insekten, was, (anders, als es der wissenschaftlich gebildete Entomologe vielleicht erwartet) zu allem Möglichen anregen kann, so dass ein vielfältiger Gewinn mit dem rechten Benutzen sich von allein’ einstellt. K. Fabian (zum 30. März 2005) |